Brief aus 1946. Von Papas erster Frau: „Der Krieg hat noch manch böse Lücke gerissen“

Deutsche in britischer Kriegsgefangenschaft in Ägypten
Deutsche Kriegsgefangene in Ägypten bekommen Post aus der Heimat

Eben fand ich beim Aufräumen einen Brief, den ich mit Euch teilen möchte. Er ist vom 8. Januar 1946. In Memphis/Tennessee feierte Elvis seinen elften Geburtstag, Deutschland lag in Trümmern, Deutschlands Frauen räumten auf, Deutschlands Männer waren in Kriegsgefangenschaft. Wie Papa. Obwohl er, der Widerstandskämpfer, drei Jahre in einem Hamburger KZ schmorte; obwohl er, so erzählte er es mir, nachdem er ein Jahr vor Ende des Krieges zwangseinzogen wurde, „immer nur in den Sand schoss“ (anders also als sein Schulkamerad Helmut Schmidt); obwohl er in Italien desertierte, sich freiwillig stellte, ließen ihn die Briten zwei weitere Jahre in der Wüste Ägyptens in Kriegsgefangenschaft schmoren.

Der Brief ist von der ersten Frau meines Vaters …

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„Baby, das war’s!“

Hamburg-Neugraben, 8. 1.1946

Mein lieber Walter!

Ich bin so herzlich froh, Dir jetzt schreiben zu können. Ich habe selbst immer noch keine Post von Dir. Die letzte Post bekam ich noch aus Neapel, datiert vom 20. August 1944. Das war eine lange Zeit. Deine Eltern haben mir jetzt die Karte, die sie von Dir bekamen, geschickt. Nun wissen wir doch, dass es Dir noch gut geht und wo ungefähr Du Dich überhaupt befindest.

Immer denken wir an Dich und malen uns aus, wie es sein wird, wenn Du wieder bei uns bist. (An dieser Stelle ist der Brief eingerissen, drei, vier Wörter sind nicht zu lesen.) … werden wir dann sein. All das Schwere wird dann leichter zu ertragen sein.
Der Krieg hat noch manch böse Lücke gerissen, seit Du fort bist. Unser Harry ist in Italien gefallen. So gibt es noch mehr Bitteres zu überwinden. Doch darüber muss man hinwegzukommen suchen.
Und wenn ich mir vorstelle, dass Du eines Tages wieder bei uns sein wirst, werde ich trotz alledem so glücklich sein, wie ich es noch nie in meinem Leben war.

Die Kinder sind sehr gewachsen inzwischen. Wolfgang ist jetzt schon ein fleißiger Schuljunge geworden, Margot möchte es ihm gleichtun.

Walter, ich wünsche, dass Du diesen Brief bald bekommst. Von einem zum anderen Tag warte ich auf Post von Dir.

Mein Liebster, für heute ganz unendlich liebe Grüße

Immer Deine Gertrud

Walter Flesch, Gertrud Flesch

Wie tapfer sie war. Wie schwer es gewesen sein muss, im Winter ´46, allein, mit zwei kleinen Kindern. Kein Geld, nichts zu heizen, nichts zu fressen, wenn meine Halbbrüder Glück hatten, wovon ich ausgehe, war sie eine Mutter wie sie Reinhard Mey in „Das Foto vor mir auf dem Tisch“ beschrieb.

Und als der Bombenhagel fällt,
Bringt sie mich eines Nachts zur Welt,
Im Klinikflur, so hat sie‘s mir berichtet.

Und nun wird alles doppelt schwer,
Allein in diesem Trümmermeer,
Es geht nur noch darum zu überleben.
Und dabei hat sie irgendwie,
Auch wenn der Himmel Feuer spie,
Mir Wärme und Geborgenheit gegeben.
Und dann im zerbombten Berlin
Mit mir von Tür‘ zu Türe zieh‘n,
Manchmal gibt‘s was auf Lebensmittelkarten.
Sich nicht verlier‘n in dem Gewirr,
‘n Kelle Brei ins Kochgeschirr
Und wieder in endlosen Schlangen warten.

Aus ihren Kleidern macht sie mir
Mantel und Rock, und wenn ich frier‘,
Briketts aus den letzten Habseligkeiten.
Mit Liebe und aus nichts macht sie
Mir Spielzeug und mit Phantasie
Eine glückliche Zeit aus bitt‘ren Zeiten.
Zum Avus-Rennen mit mir geh‘n,
Nach Tempelhof, die Flieger seh‘n.
Im Kaufhaus stundenlang Rolltreppe fahren.
Sie lehrt mich schwimmen und sogar
– Etwas verbot‘ner Weise zwar –
Den Brezelkäfer fahren mit zwölf Jahren.

Ich weiß nicht, wann Gertrud den ersten Brief meines Vaters bekam. Fünf Monate später, im Juni 1946, Deutschlands Kapitulation lag 13 Monate zurück, schrieb mein Vater an eine britische Parlamentsabgeordnete der Labour-Party: ,,Last June nobody of us would have believed himself to be still in Egypt one year later. It is unjustified at all. What is wrong with us?“

Im gleichen Monat schrieb er auch dem Vorsitzenden des Komitees ehemaliger politischer Gefangener in Hamburg: ,,Sie können sich vielleicht vorstellen, wie die Enttäuschungen an den Nerven zerren. Die Nazis lachen uns heimlich aus, äußerlich sind sie freundlich, beinahe devot. (…)
Zurzeit bin ich bei einer Britischen Panzereinheit als Dolmetscher beschäftigt, und es geht mir physisch außerordentlich gut. Aber mein politisches Verantwortungsbewusstsein, der Wille zur Mitarbeit und – sagen wir es offen – das Heimweh lassen mich hier nicht froh werden trotz wirklich anständiger Behandlung und einem großen Maß individueller Freiheit.“

Die Briten begründeten das Unding, dass einige Kriegsgefangene mit anhaltender nationalsozialistischer Überzeugung längst wieder zuhause waren, Antifaschisten nicht, mit „Transportschwierigkeiten“.

Ein halbes Jahr später, es war der Neujahrstag, konnte mein Vater seine Frau und seine Kinder wieder in die Arme schließen.

Nachtrag
Was mein Vater erlebte, war schlimm, dennoch hätte es ihn weitaus schlimmer treffen können. In russischer Kriegsgefangenschaft zum Beispiel. Günter Hille, ein anderer Kriegsgefangener in Ägypten, zog in seiner sehr detaillierten Beschreibung gar ein positives Fazit. Er war allerdings auch zehn Jahre jünger, ungebunden und hatte nicht vor, die Welt zu retten. Er schreibt …
„Die Jahre als Kriegsgefangener im Lager waren für mich gute Jahre. Ich hatte alles, was ich benötigte und wurde anständig behandelt. Auch habe ich viel gelernt von anderen POW (= Prisoner of War) und den Arbeiten. Man gewöhnte sich wieder an die Routine der Arbeit, verdiente auch etwas Geld. Wenn man unsere Gefangenschaft mit den Lagern in Russland, Frankreich und anderen Ländern vergleicht, hatten wir den Himmel auf Erden. Nur die verheirateten Soldaten hatten es schwer, sie konnten ihren Familie nicht helfen über die schwere Zeit zu kommen.“

„Das Foto vor mir auf dem Tisch“ © Reinhard Mey

 

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4 Comments

  • In den VSA haben die Amerikaner meinen Opa auch gut behandelt. Im Lager in England war das nicht so, da hat er richtig viel abgenommen. Steht alles sehr detailliert auf’s Kilo genau in seinen Memoiren. Zum Schluss war er ja SS Offizier bei der Totenkopf Division gewesen. Das war allerdings Wehrmacht, Waffen-SS, keiner der berüchtigten (oder zumindest umstrittenen) Totenkopfverbände.

    Allerdings schreibt er da auch ganz offen, wo er noch überall dabei gewesen ist, vorher. Eine seiner Aussagen darüber, nur ein Satz, hat mich allerdings unteranderem dazu gebracht, das mit dem Holocaust mal selbst genauer zu erforschen. Womit ich dann vor 9 Jahren, im Herbst 2008, angefangen und seit dem sehr intensiv betrieben habe. Mit erstaunlichen Ergebnissen, die mein gesamtes Weltbild verändert haben. Wissen so brisant, problematisch, dass ich manchmal gar nicht weiß, wie ich als Humanist verantwortungsvoll damit umgehen soll.

    Der Kriegsgefangenschaft meines Opas verdanke ich, dass meine Mutter ihren Vater erst mit 5 Jahren kennengelernt hat. Mit allen negativen Folgen, die so etwas gerade für ein Mädchen dann hat. Sie wurde nämlich erst 1944 geboren, in einem Heim des Lebensborn, und schon kurze Zeit darauf mit ihrer Mutter in Berlin bei einem Bombenangriff verschüttet. Zum Glück wurden sie aber ausgegraben, sonst wäre ich heute nicht hier. Das wäre ich allerdings auch dann nicht, wenn mein Opa im Kessel von Demjansk erschossen und nicht nur angeschossen worden wäre. Etwa 40% seiner Kameraden, also fast die Hälfte, haben Damjansk nämlich nicht überlebt. Ich bedaure lediglich, dass ich nicht schon viel früher erfahren, ich mich nicht schon viel früher dafür interessiert habe, wofür mein Opa gekämpft hat, beziehungsweise, wogegen. Denn dann hätte ich mich auch ihm gegenüber anders Verhalten, als er noch am Leben war. Unserer Vorfahren waren nämlich weitaus bessere Menschen, als das heute immer noch einige darzustellen versuchen. Die Gründe dafür kenne ich jetzt allerdings auch.

    Darum habe auch ich so meine Probleme mit dem Leben, denn Leben ist Krieg. Man muss Luft kriegen, Wasser kriegen, Nahrung kriegen, Wärme kriegen, Pflege, Zuwendung, Liebe und Aufmerksamkeit, Bildung und Erziehung kriegen, wenn man Leben, Überleben will. Von all dem habe ich eigentlich immer genug bekommen, glaube ich, bilde ich mir ein, von manchem ganz sicher sogar mehr und teilweise auch sogar viel mehr als die meisten. Liegt es also nur daran, dass ich ein ungewolltes Kind bin? Woher könnte sonst dieser Trotz kommen, um jeden Preis, auch um den der Armut, beschenkt werden, versorgt, geliebt, bewundert und beachtet werden zu wollen? Oder warum habe ich davor Engst, dafür betraft zu werden, wenn ich einfach mache, ich etwas machen möchte? Warum habe ich das Gefühl, dass man mich nicht machen lässt oder ich dafür dann bestraft werde? Woher kommt diese Ohnmacht, Engst, gerade auch gegenüber Frauen? Warum aber mache ich gleichzeitig so viele verrückte Dinge, die man eigentlich nicht macht, nicht machen sollte? Hahaha, und bei dem Satz konnte ich gerade wieder herzlich lachen und beende hiermit meinen heutigen Seelenstripties. Hihihihihi.

  • Hahaha, macht echt Spass, zu schreiben, egal über was.

    Denn im Grunde ging es mir früher besser, als ich noch all meine unbewussten Komplexe hatte (oder alle Komplexe unbewusst?). Als ich Frauen noch beweisen wollte, was für ein kreativer und einfallsreicher Ficker ich bin. Da habe ich mir wenigstens noch Mühe gegeben. Oder auch der ganze andere Scheiss mit Studium oder Tonstudio, Popstar, Sänger, Tänzer und so weiter. Alles nur, um andere und mich selbst zu beeindrucken, was ich doch für ein toller Hecht, in meinem Fall, ich doch für ein Tiger bin. Wobei die meisten Weibchen doch eh auch kein Selbstvertrauen haben, und darum auch kein Vertrauen. Schöne Verschwendung.

    Dabei können die meisten Menschen weitaus mehr, als ihnen bewusst ist. Sie müssen sich nur trauen, konzentrieren, ihr Hirn für 5 Minuten wirklich mal anschalten, sich selbst vertrauen und alle Zweifel und Engste mal über Bord werfen. Einfach ehrlich und mit Liebe, mit einem Lachen im Herzen bitten und machen.

    Darin waren aber auch meine Eltern eben nicht gerade die besten Vorbilder, obwohl sie ja trotzdem ein spannendes und aufregendes, abwechslungsreiches Leben hatten. Zusammen, aber auch getrennt. Was will man mehr. Sicherheit? Für’n Arsch. Die gibt es eh nicht, ist nur eine allzu verführerische Illusion, die sich darum aber gut verkaufen lässt. Vor allem Frauen haben da ein besonders grossen Bedarf, wegen der Baaabys, den natürlich kein Mann aus Fleisch und Blut erfüllen kann. Aus dem Grund sind tatsächlich auch so viele Männer Betrüger. Dass ist in etwa so wie die Schminke oder Push up-BH’s bei Frauen. Dann lieber roh.

    Dabei kann eine gute und kluge Frau Wunder bei fast jedem Mann bewirken, ebenso wie ein kluger und selbstbewusster Mann auch fast jede Frau zu absoluten Höhenflügen animieren, mehr aus ihr herausholen kann, als sie sich zutraut. Sich gegenseitig darum stark machen, Mut und Selbstvertrauen zusprechen, darum geht es, und nicht darum, am anderen ständig rumkritisieren, herumkritteln, rumnörgeln. Motivation oder Dekonstruktion, das ist hier die Frage. Das Gleiche gilt allerdings auch für Söhne und Töchter, die man dadurch nämlich auch entweder schwach oder stark macht.

    So, jetzt muss ich aber mal Frühstücken, denn vom Geist allein wird niemand satt.

    • Meines Vaters, oder meines Opas? Mein Vater ist nämlich erst 1938 geboren. Der war nicht mal Pimpf, als der Krieg bereits vorbei war.

      Meinen Vater verstehe ich zudem weniger als meine Mutter, weil ich zuwenig über seine Eltern weiß, um ihn zu analysieren.

      Sind aber zwei völlig unterschiedliche Typen, vom Charakter, mein Opa mütterlicherseits und mein Vater, und darum konnte das natürlich auch nichts mit meiner Mutter werden.

      Seine Schwäche war ihre Schönheit. Hahaha, und das ist/war auch immer meine Schwäche bei Frauen.

      Das gleiche Unglück darum wie bei mir. Falsche Frau, falsche Frauen. Nur das er es nach der Trennung von ihr dann als Einzelkämpfer geschafft hat, noch die Kurve zu kriegen. Zumindest beruflich. Die Trennung von meiner Mutter hat er allerdings nie überwunden, das weiß ich aufgrund einer Aussage von ihm im krankheitsbedingten Delirium wenige Jahre vor seinem Tod.

      Das habe ich miterlebt, auf der Autobahn, am helllichten Tag bei schönem Wetter, kurz bevor der Krankenwagen eintraf. Ich, gerade mal Mitte 20, mit meinem sterbenden Vater in seinem fast neuen Auto auf dem Seitenstreifen. Wir waren gerade auf der Heimfahrt vom Verkäufer, noch einige 100 Kilometer weit weg von Zuhause. Auf dem Weg ins Krankenhaus oder dort ist er dann ins Koma gefallen. Ich war ja dem Krankenwagen dann hinterhergefahren, habe ihn erst danach bereits an all den Maschinen wiedergesehen, in der Intensivstation. Der Arzt meinte, es stünde nicht gut, er würde wahrscheinlich die Nacht nicht überleben. Das waren bittere Stunden für mich, die ich ganz alleine durchstehen musste. Doch er muss mich gehört haben, denn er kam dann einige Tage später noch einmal zurück. Für 2 Jahre.

      Zwei Jahre vor diesem Vorfall auf der Autobahn war mein Vater aber noch das blühende Leben, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, sah gut aus und war sonnengebräunt, immer wenn ich ihn am Flughafen abgeholt habe. Ich war mächtig stolz auf ihn, auf den Macher, mein Vater, der mit Ministern und Konzernlenkern zu tun hatte. Unteranderen auch mit Max Grundig oder mit einem der reichsten Unternehmer Mexikos, Mario Vázquez Raña (Hermanos Vázquez, Möbel und Haushaltselektronik und -maschinen, Fernseher, etc.). Dabei hat mein Vater wirklich bei nichts angefangen, hahaha, und selbst sein Diplom von der Uni war nicht echt, war gefälscht, im Gegensatz zu meinem. Trotzdem war er kein Verbrecher, das weiß ich, wollte halt auch nur was werden, so wie schon sein Vater. Der hatte es wohl auch ins höhere Management geschafft, allerdings in der Industrie. Mein Vater war Wirtschaftsberater.

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