Borderline-Journalismus: Wie ich einmal beinahe die schönste Frau der Welt traf

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Der Schwarm meiner jungen Jahre, diese Liv Tyler

Es gab eine Zeit, um die Jahrtausendwende rum, in der Liv Tyler als schönste Frau der Welt galt. Ich hielt diese Behauptung für eine bodenlose Untertreibung. Für mich war sie die schönste Frau aller Zeiten. Ihr könnte Euch also vorstellen wie elektrisiert ich war, als es hieß: „Herr Flesch, Sie fliegen nach Los Angeles und interviewen Liv Tyler.“
Was für ein Jackpot. Mensch, da bleib ich doch gleich da! Am liebsten direkt bei Liv. Die hat bestimmt schon auf mich gewartet, doch, doch, ganz sicher.
Ein paar Tage später schrieb ich mein Erlebnis mit Liv für das Klatschmagazin Neue Revue, und das las sich dann so:


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Es gibt im Leben nur wenige magische Momente. Ein Interview mit Liv Tyler gehört dazu.
„Hi, mein Name ist Liv, schön dich zu sehen“, sagt sie zur Begrüßung in dem Café in L. A. Pechschwarze Haare, strahlend blaue Augen, volle Lippen, milchweiße Haut – Liv könnte jedem Mann den Verstand rauben. Wenn sie wollte. Will sie aber nicht. Entgegen allen Gerüchten wollte sie auch nichts von ihrem Filmvater Bruce Willis.
„Ich seh Bruce eher als einen fürsorglichen, liebenden Vater – für seine Töchter. Ich liebe meine Väter.“ 
Liv bestellt einen Kaffee mit ganz viel Milch. Die zwei Väter: „Steven (Tyler Leadsänger der Rockband Aerosmith; die Red.) ist mein biologischer Vater. Aber großgezogen hat mich Todd (Rundgren auch ein Rockstar). Ich liebe sie beide.“

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„Baby, das war’s!“

Hat sie einen Freund? „Ich war drei Jahre mit dem Schauspieler Joaquin Phoenix zusammen. Und ich bin immer noch verrückt nach ihm.“
Joaquin ist der Bruder von River Phoenix, der 1993 an einem Drogen-Cocktail starb. Livs Vater Steven war heroinsüchtig. Ihre Drogen-Erfahrungen? Liv leckt sich ein wenig Milchschaum von den göttlichen Lippen: „Überhaupt keine. Meine einzige Sucht ist Zigarettenrauchen.“

Für das US-Magazin People gehört sie zu den 50 schönsten Menschen der Welt. Für die MTV-Generation ist sie die Schönste. Und die Erotischste. Sie sagt: „Ich verstehe nichts von Erotik.“
Wann sie ihr erstes erotisches Erlebnis hatte? „Oh, da war ich 14. Der junge hieß Rich, ein Nachbarkind in Maine. Wir gingen in eine Bibliothek und versteckten uns in einer dunklen Ecke. Er hielt mich ganz eng umschlungen. Er berührte mich zwischen meinen Schenkeln.“ 
Liv lächelt ein wenig verträumt und hat Hunger. Auf Apfelkuchen. Sie bestellt.
Wie es sich damals angefühlt hat? „Es war ein wundervolles Gefühl. Aber wir haben nicht miteinander geschlafen, uns noch nicht einmal geküsst.“ Warum nicht?
„Ich war noch sehr unreif. Bis zum 13. Lebensjahr wusste ich noch nicht einmal den Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Genitalien.“
Wie sie den Unterschied herausgefunden hat? Jetzt lacht sie.
„Beim Spielen in einer New Yorker Straße ließen einige Jungs die Hosen runter und sagten mir, was sie gerne mit mir machen würden.“ 
Und? Nichts. Ich war entsetzt und verängstigt. Ich war auf das alles nicht vorbereitet. Der magischste Moment in ihrem Leben? Das war als ich meinen richtigen Vater kennen lernte.

Ich war 11 Todd Rundgren gab gerade ein Konzert in Bosten, als Steven Tyler hereinkam. Bis dahin glaubte ich, dass Todd mein Vater war. Aber Steven sah genauso aus wie ich. Wir waren Zwillinge. Ich fragte am gleichen Abend meine Mutter, warum das so ist. Und was sagte die?
Das sie mich mit Steven Tyler auf einem antiken französischen Bett gezeugt hat.
War sie schockiert?
Ich war glücklich, plötzlich hatte ich zwei Väter. Ich bin ein Kind der Liebe.
Das Gespräch ist zu Ende, sie muss gehen.
Es ist, als ob man an einem glühendheißen Sommertag ein eiskaltes Eis geschenkt kriegt – und darf doch nur einmal dran schlecken. 

Großartig, oder? Und wie offen sie über ihr Liebesleben und all das sprach. Vollkommen untypisch für einen Hollywoodstar, schließlich sprechen die sonst nur darüber wie ach so toll die Zusammenarbeit mit dem aktuellen Regisseur und Filmpartner war. Wieder also einmal ein Husarenstück des Geheimnisherauskitzlers Flesch?
Nicht wirklich. In Wahrheit habe ich Liv Tyler nie getroffen. Unser Korrespondent in Los Angels traf sie. Doch der bekam von ihr nur zu hören, wie ach so toll die Zusammenarbeit mit dem aktuellen Regisseur und Filmpartner war. Es lag also an mir aus ihren langweiligen Antworten ein lesbares Kurzportrait zu basteln. Ich stahl aus großen US-Blättern ein paar knackige Zitate, den Rest erfand ich. So etwas musste ich in fast jeder Ausgabe machen. Hach, wen ich damals nicht alles getroffen habe! Laetitia Casta, Sharon Stone, Pamela Anderson. Klar, ein paar Hollywoodstars traf ich tatsächlich – Kevin Coster, George Clooney und Mark Wahlberg zum Beispiel. Aber von ihrem ersten Mal haben die mir nicht erzählt. Dafür von der ach so tollen Zusammenarbeit mit ihrem aktuellen Regisseur und Filmpartner. Und wie großartig ihr neuer Film sei, der beste, den sie je drehten, auf sicher.

Was ich damals tat, war kein Kavaliersdelikt. Es hätte mich meinen Job kosten können, und mein Chefredakteur wäre gleich mitgeflogen. Der legendäre Reporter Tom Kummer, der Erfinder des Borderline-Journalismus, verlor seine berufliche Existenz weil er Interviews mit Hollywood-Stars wie Charles Bronson, Brad Pitt und Sharon Stone in weiten Teilen erfunden hatte. Ich erinnere mich noch genau wie mir mein Textchef das Kummer-Interview mit Sharon Stone aus dem SZ-Magazin mit den Worten präsentierte: „Schauen Sie, Herr Flesch, SO werden Interviews geführt!“ Und ich führte sie so. Nicht so gut wie Bad Boy-Kummer, aber das war auf den wenigen Zeilen, die mir zur Verfügung standen auch nicht möglich. Als Kummers Fake, der für mich große Literatur war, herauskam, wurden beide Chefredakteure des SZ-Magazins entlassen. Ich hatte das Glück (oder Pech, wie mans nimmt) für ein Pissblatt wie die Neue Revue zu schreiben, das kaum einer wahr, geschweige denn ernst nahm.
Ein schlechtes Gewissen hatte ich nicht. Es war normal, damals, Ende der Neunziger. 

Heute ist so etwas im Boulevard-Journalismus nicht mehr möglich. Durchs Netz wurde die Welt ein Dorf in dem jeder jeden kennt und sofort Alarm schlägt, sobald irgendetwas Sonderbares passiert. Und dass die schönste Frau der Welt einen jungen Reporter aus Hamburg-Altona von ihrem ersten Mal berichtet war etwas Sonderbares. Etwas, das ich gern tatsächlich erlebt hätte.
Verfälscht und gelogen wird in den Medien auch heute noch. Vielleicht sogar mehr als je zuvor. Aber eher in Ressorts wie Wirtschaft und Politik. Einer der Gründe, warum ich mir meine Informationen auch über alternative Medien beschaffe.
Also: Seid wachsam.

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