Es wäre schön, wenn wir Fremde bleiben könnten

„Für das Wort Seelensex werde ich Dir auf Lebzeiten dankbar sein!“, schrieb mir gestern eine Frau namens Elena. Schönes Kompliment. Auch weil Elena nicht irgendwer ist. Sie ist der Kopf der Agentur „Die Liebeskümmerer“. Sie kümmert sich um gebrochene Herzen.

Es war nur logisch, dass wir irgendwann aufeinander treffen würden. Schließlich bin ich der Experte für Liebeskummer. Nicht nur in der Theorie. Auch – und gerade – in der Praxis. Ich sehe mich inzwischen als Godfather des Elends. Halte mich mit den zauberhaften Seiten der Liebe nicht mehr lang auf, steige stattdessen direkt in ihre Abgründe ein. Das klingt absurd, ist aber tatsächlich so. Als ich mir meiner heutigen Liebe bewusst wurde, hatte ich ihr eh schon angeschlagenes Herz bereits so oft gebrochen, dass ich es nicht mehr heilen konnte. Das war im Mai letzten Jahres. Der Text „Es wäre schön, wenn wir Fremde bleiben könnten …“ ist aus November 2011. Nun haben wir fast August. Und nur dieses eine Leben. Und es haben sich nur Nuancen geändert.* Was für ein Wahnsinn …

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Sex für Frauen mit Soul

„Baby, das war’s!“

Dieses Bewusstsein, dass alles vorbei ist

Es wäre schön, wenn wir Fremde bleiben könnten …

„Nimm Deine Schuhe mit, wenn Du gehst. Und Deine Zweifel auch.“ 
Gisbert zu Knyphausen

Es ist an der Zeit, sich die Träume aus den Augen zu wischen. Sich nichts mehr vorzumachen. Es ist an der Zeit, sich bewusst zu werden, dass es keinen Sinn mehr ergibt weiterzumachen. Bei den einen passiert das still und leise, die anderen machen es nicht unter einem Atombombeneinschlag im eigenen Wohnzimmer.

Wenn etwas zu Ende geht, muss ich drüber schreiben. Es ist wie ein Zwang. So als könnte ich erst abschließen, wenn ich es mir von der Seele geschrieben habe. Meist stecken die Zeilen, die ich in solchen Momenten schreibe, voller wehmütiger Erinnerungen. So wie einst diese: „Nein, wir werden nie wieder im Sommer auf meinem Roller durch Italien fahren. Nein, ihre kleinen Hände werden dabei nicht mehr ganz fest meinen Bauch umschließen, mir die Luft abdrücken, während ich rasant um eine Kurve rase, und nein, ihr Rock wird dabei auch nicht mehr im Wind wehen, nein, nein, nein, alles aus und vorbei, das kommt nicht wieder.“
So etwas werdet Ihr in diesem Text vergeblich suchen. Es gab einfach zu wenig Schönes. Wer schuld daran trägt, spielt keine Rolle mehr. Am Ende bin ich eh immer an allem schuld, was nicht larmoyant klingen soll, schon okay ist.

Oft garnierte ich solche Erinnerungen mit glorifizierenden Beschreibungen, selbstverständlich mit dem Hintergedanken sie zurückzugewinnen. Gern haute ich dabei richtig auf den Putz, aber lest selbst: „Es ist ihre Schönheit, die ich vermisse. Nein, nicht die Schönheit, die Männern auf den ersten Blick in die gierigen Augen schießt. Die war auch nicht zu verachten, um Gottes willen, auch ich bin bloß ein Mann, und wenn es einer zu schätzen wusste, dass man sich nach ihr den Hals verrenkte, war ich das. Aber was ich noch viel mehr vermisse, ist die Schönheit ihrer Seele. Das klingt ungriffig und lässt sich auch nicht erklären. Um sich am Leuchtfeuer ihres Wesens wärmen zu können, muss man sie kennen, so wie ich sie kannte. Und, man sollte es nicht für möglich halten, ich vermisse sogar ihre Zickigkeit, Wankelmütigkeit, ihre Unreife, ihr Desinteresse an Dingen, die nicht so ganz unwichtig sind. Ja, all das, was mich zur Weißglut treiben konnte, vermisse ich.“
Auch damit kann ich diesmal nicht dienen. Ich möchte sie nicht zurückgewinnen. Die Frage, ob ich sie vermisse, sie noch liebe, ob sie mich vermisst, sie mich noch liebt, stellt sich dabei nicht. Mit der Liebe verhält es sich ähnlich wie mit dem berühmten Schoppenhauer-Zitat: „Jeder dumme Junge kann einen Käfer zertreten. Aber alle Professoren der Welt können keinen herstellen.“ Es ist so leicht ein Herz zu brechen. Es wieder zusammenzusetzen, ungleich schwerer.

Manchmal, wenn ich unfair spiele, lesen sich die Zeilen, wie eine Abrechnung. Doch auch die wird es nicht geben. Wir haben uns in all der Zeit genug angetan. Die Zeile „Es wäre schön, wenn wir Fremde bleiben könnten.“, ist kein Nachtreten. Nur die Gewissheit, dass es so besser ist.
Nur: Was schreibe ich stattdessen? Ich würde gern irgendetwas Schönes schreiben, aber was? Befürchte, ich pack das allein nicht. Befürchte, ich brauche Hilfe. Die hole ich mir von einem großen Musiker: Gisbert zu Knyphausen beschrieb das Ende einer Liebe in seiner Ode „Dreh Dich nicht um“ auf (s)eine ganz, ganz unnachahmliche Weise.
Ich wünschte, meine Liebe hätte mich in die Lage versetzt Zeilen wie diese zu schreiben: „Was bleibt, ist die Erinnerung an eine Zeit, die so viel schöner war als jetzt.“  
Hat nicht sollen sein. Also, Gisbert, leg los, Mann …

Tief in uns’ren Augenringen steht doch alles was wir wissen müssen, mein Herz.
Wenn wir uns nicht mehr tragen können, warum lassen wirs dann nicht bleiben?
Du musst mir nichts mehr erklär’n und dir vor allem nicht mehr einreden, dass du mich in deinem Leben wirklich noch brauchst.
Nimm deine Schuhe mit wenn du gehst, und deine Zweifel auch. 

Erinnerst du den Tag an dem wir betrunken in deinem Garten lagen und die Kinder deiner Schwester um uns herum, sie tanzten den Tanz der Piraten.
Das war das letzte Mal, dass ich dich so voller Lieber lachen sah, es gab viele Tränen hinterher.
Trag dieses Lachen bei dir wenn du gehst, ich mag es sehr.

Der Regen kommt und der Regen geht, man geht ein Stück zu zweit und den Rest allein und was bleibt ist die Erinnerung an eine Zeit, die so viel schöner war als jetzt.
Ey, bitte nimm sie uns nicht krumm. Nimm die Erinnerung mit dir wenn du gehst, Nimm die Erinnerung mit dir wenn du gehst, sonst bleibt sie stumm. Nimm die Erinnerung mit dir wenn du gehst und dreh dich nicht um …

* Zu den Nuancen, die sich geändert haben, gehört: Heute würden mir ein paar schöne Dinge einfallen. Doch ich habe keine Lust sie aufzuschreiben. Ich bin müde. Was nicht nur daran liegt, dass es fünf Uhr in der Früh ist, ich noch nicht geschlafen habe. 

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29 Comments

  • „Es wäre schön, wenn wir Fremde bleiben könnten“…das klingt so verdammt hart, aber vielleicht kann man dann leichter mit einer Beziehung abschließen…
    😉

    • Abschließen geht auch anders. Ich hab nach dem „AUS“ noch drei Monate lang mit meinem Exfreund zusammengewohnt. Zwangsweise. In dieser Zeit hat sich das, was einmal die große Liebe war, mit literweise Tränen und Wein und vielen langen Gesprächen in eine Freundschaft verwandelt. Komische Sache, wenn man jahrelang von jemandem keine Minute lang die Finger lassen konnte und jetzt völlig entspannt nebeneinandersitzt. Für unsere gemeinsamen Freunde war das komischerweise nicht so einfach zu handeln wie für uns. 😉

  • Ich bin jetzt traurig und weine…ich wollte das auch erst nicht lesen…weil du manchmal Sachen auf den Punkt bringst, die ich garnicht hören (In diesem Fall lesen) will…

  • du sprichst mir aus der Seele bro und, bin mir sicher vielen da draußen geht’s genauso….
    ich frage mich manchmal ob die Romantiker dieser Welt ausgestorben sind, da es ja uncool sei sich so zu outen, über Gefühle so zu berichten…es sei nicht männlich, würden andere Alpha-Männchen jetzt behaupten…
    aber wie armselig sind diejenigen die es nie gefühlt/gespührt haben….

    You can get addicted to a certain kind of sadness
    Like resignation to the end

  • die alben von gisbert sind die besten der neuen generation deutscher liedermacher (da tut sich auch ein philipp poisel, trotz offenschtlichem spielen in der oberliga, schwer mitzuhalten). und obwohl die liebe das beste gefühl ist, das wir zu fühlen imstande sind, erkennt man sie nicht immer auf anhieb (oder verwechselt sie) und leider macht man dann dinge aus den falschen beweggründen, immer und immer wieder. aber es hilft ja nicht zu jammern, stattdessen sollte man lieber jeden tag als neue chance begreifen.
    ich mag den text und deinen stil, aus zitatanhäufungen, kurzgeschichten zu gebären. ich muss dabei an pinnwände denken, bestückt mit lebensweisheiten, erfahrungen und schönen erinnerungen. ich bin fan.

  • Tja, ich habe grade den Entschluss nach langen 8 Jahren gefasst, um wieder glücklich zu werden, weil es schon 2 Jahre nicht mehr lief. Es sich einzugestehen und die Gefühle, die so weh tun, nicht mehr falsch zu interpretieren, ist echt hart, aber ich bin an der Beziehung gewachsen, nehme die glücklichen Zeiten mit und weiß nun, was ich will und brauche… Auch wenn er so tut als käme es plötzlich, weiß er, dass unsere Beziehung schon lange keine mehr war… Leider wohnen wir auch noch zusammen und ich muss ihm zu liebe hart bleiben, seine Annäherungsversuche ausschlagen und ihm seine Verlustängste klar vor Augen führen… Denn: Wer etwas will sucht Wege, wer etwas nicht will Gründe!
    Sein Grund war die Arbeit, mich bitterlich nach seiner Nähe flehen zu lassen und nix zu tun, sodass ich etwas tat… Zu gehen!
    Denn meine Meinung ist einfach, wenn ich jemanden LIEBE, dann höre ich ihm zu und lass ihn nicht so hängen…
    Liebeskummer habe ich Gott sei Dank nicht und er wird auch einen leeren Fleck hinterlassen und ich wünsche mir auch nach soooo langer Zeit ihn nicht missen zu müssen, ich möchte das er glücklich wird, Erfolg hat und wieder Lachen kann!

  • Wie immer (oder meißtens 😉 ) schöner Text.
    Aber viel wichtiger war für mich das Entdecken von Gisbert zu Knyphausen und tvnoir. Man findet immer wieder was neues, danke dafür. :-)

  • >>Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise und traulich eingewohnt, so droht erschlaffen.
    Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen. (Hermann Hesse)<<

    Bin wohl zu Jung um Urteilen zu dürfen, jedoch bereiten mir deine Texte jedes mal neue Freude und erwecken spannende Erinnerungen.

    – Danke dafür!

  • Nothing more to say…..Danke auch Heute wieder.
    Ist dir eigentlich bewusst wie viel du Menschen mit deinen Texten gibst?
    Grandios und wirklich treffend.

  • Beeindruckend diese Worte von einen „Mann“ zu lesen. Als eine Abrechnung ist es auf keines Falls zu verstehen, jeder Mensch hat seinen Weg etwas zu verarbeiten, Du hast denn Weg gefunden alle Deine Emotionen nieder zu Schreiben und dadurch dem entsprechend einen platz zu geben. Wie höher man geflogen ist, desto länger dauert der Heilungsprozess… Ich wünsche Dir dabei viel Kraft und bestimmt auch im Namen von alle deinen „Followers“ alles Gute und das die Liebe dich wieder findet!

  • Ich bin schon lange ein Fan von TvNoir, Herrn Poisel, Olli Schulz und besonders Gisbert über desses Facebook Seite zur dir hier gefunden habe.. Somit habe ich eine weitere zeitraubende Internetbeschäftigung, die mich allein heute schon zu herzhaftem Lachen angeregt, zu einer kleinen Träne gerührt, aber auch ziemlich geil gemacht hat. Ich werde dein nächster treuer Fan sein, bitte mehr davon!

  • „Befürchte, ich pack das allein nicht.“

    Und genau darum habe ich dich ja auch gefunden, und all die anderen.
    Jeder auf seine Art, und doch alle durch irgendetwas verbunden. 😉

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