Der Coolste geht von Bord – Helmut Schmidt und ich

„Na gut, mein Junge, dann machen wir das. Aber ich stehe nicht noch einmal auf, ich bin ja kein Zirkuselefant.“  
Das waren die einzigen Sätze, die Helmut Schmidt jemals zu mir sagte. Wie prächtig sie sein Wesen symbolisieren, diese beiden Sätze, ein großes Herz, links unter einem eigenen Kopf. Das war Helmut Schmidt.
Es passierte in einem Salon im Tierpark Hagenbeck. Helmut hatte sich fürs Foto hochgequält, stand da, auf seinen Stock gestützt, dennoch aufrecht. Ich drückte ein paar Mal auf den Auslöser, bedankte mich, er setzte sich wieder hin; ich kuckte aufs Display – scheiße, alles unscharf! (Neue Kamera.) Eric Heuser, mein Foto-Chef bei BILD, war ein harter Hund.
Die dumme Sau wird mir den Arsch aufreißen, wenn ich ohne Bilder in die Redaktion zurückkomme. Wer mich kennt, weiß, mir ist kaum etwas peinlich, aber Helmut Schmidt zu bitten, sich nochmals für mich aus dem Klubsessel zu quälen, Gott, war mir das unangenehm!

Helmut Schmidt Loki Schmidt, 1943, Ostsee, Strand
Wahre Liebe. Helmut und seine Loki 1943 mitten im Krieg am Ostseestrand

Helmut Schmidt wuchs im Hamburger Arbeiterviertel Barmbek auf. Wie mein Vater Walter Flesch. Die beiden waren Schulkameraden. Damals wurde in der Schule noch der Rohrstock geschwungen, was meine humanistischen Großeltern ablehnten, die Eltern von Helmut auch und so kamen beide auf eine reformpädagogische Schule in Hamburg-Winterhude.
Mein Vater erzählte mir oft von seiner geliebten Lichtwarkschule. Um eine Schule zu lieben, muss man entweder ein ganz sonderbarer Mensch sein, oder aber, die Schule, die man liebt, ist eine ganz besondere Schule.
„Wir haben auf der Lichtwarkschule im Grunde nichts gelernt, wir haben viel musiziert, gemalt und Sport getrieben, aber etwas haben wir gelernt – zu denken und vor allem: selbstständig zu lernen!“
Vor ein paar Jahren erzählte Helmut in einer Gesprächsschau von seiner Schulzeit. Es war, als ob mein Vater sprach. Obigen Satz sagte er auch, nur in Nuancen anders.
Helmut, fünf Jahre jünger als mein Vater, hatte nur das Pech, dass die Nazis ab 1933 versuchten den guten Geist der Schule zu vertreiben. Über dreißig bekannte Widerstandskämpfer gingen auf die Lichtwarkschule. So ist das eben, wenn man zu denken gelernt hat.
„Als Schmidt sein Abitur machte, war unsere Schule längst nicht mehr dieselbe“, sagte mein Vater. Vielleicht wäre Helmut sonst auch ein Widerstandskämpfer geworden, man weiß es nicht.

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„Baby, das war’s!“

Das letzte Mal sah ich Helmut im Winterhuder Fährhaus, ein Theater, in das er mit seiner Loki gern ging. Da entstand auch dieses Foto.

© Oliver Flesch für BILD 1999 / Helmut Schmidt
Ja, Helmut hat seine Loki betrogen. Andauernd. Aber es geht nicht darum, wen Du fickst, es geht darum, neben wem du morgens aufwachst © Oliver Flesch 1999 für BILD

Weißt Du, Helmut, im Grunde hatte ich mit Deinem Tod viel früher gerechnet. Ich hätte nicht gedacht, dass Du Lokis Tod so gut wegsteckst. Aber so bist Du eben. So warst Du immer. Du hast alles weggesteckt. Den Krieg, die Flut, Dein kaputtes Herz, die Rote-Armee-Fraktion, Deine dummen Gegner (Kohl), Deine gefährlichen Gegner (Strauß), den Hass und natürlich die vielen, vielen Kippen.
Es gibt sogar heute noch Menschen, die Schmidt hassen. Weil er immer besser war als sie. Weil er ihnen ihre Mittelmäßigkeit vor Augen hielt. Er sah besser aus, er war so viel klüger, rhetorisch unschlagbar und vielleicht war Helmut Schmidt auch der coolste Deutsche aller Zeiten.

Ach, Helmut, erst Peter Scholl-Latour und nun Du. Verdammt. Wer soll mir jetzt die Welt erklären? Der Todenhöfer ist ja noch ein Pennäler im Vergleich, ich glaube nur Menschen über 80, Menschen, die nichts mehr zu verlieren haben.
Dein Tod hat mich zum Weinen gebracht. Wie damals, 1982, als die dummen Säue der CDU und die erbärmlichen Verräter der FDP Deine Abwahl bereits bejubelten („Wie die Nazis!“, sagte mein Vater). obwohl Du, so glaube ich mich zu erinnern, noch Kanzler warst.
„Seien Sie still! Noch habe ich das Recht hier zu reden!“, brülltest Du in das Mikrophon am Rednerpult im Bundestag.
Dennoch gönne ich Dir Deinen Tod. Du mochtest nicht mehr, das war in Deinen letzten Interviews unüberhörbar. Und wenn Du jetzt da oben bist, dann weiß ich ganz genau, dass Du Gott die Welt erklären wirst. Mit einem Engel an Deiner Seite, sehr blond, sehr braun, sehr schmal.
Schließen möchte ich mit meinem Lieblingssatz von Dir, lieber Helmut, er ist erst ein paar Jährchen alt und hat nicht mit Politik zu tun. Du saßt auf der Rückbank Deiner Limousine, als ein Wagen vor Dir sehr langsam fuhr: „Er fährt sehr vorsichtig. Das muss eine Frau sein.“

Mach’s goot, mien Jung!  

 

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8 Comments

  • Dieser Mensch hat meinen Respekt und meine Hochachtung verdient, auch wenn ich seine Meinung nicht immer teilen konnte. Er ruhe in Frieden.

    Und mit diesem Text bist du bei mir im Ansehen gestiegen, Oliver. Ich nenne das Anstand, leider ist der selten geworden.

    Ich habe zu Ehren von Helmut einen besonderen Wein geöffnet und trinke nun auch ein Glas auf dich und deinen Nachruf. Prädikat wertvoll.

    Mika

  • Ui, nun erfahre ich hier bei Dir Olli, von seinem Tod.
    Gestern sagte mir nur jemand, ihm ginge es sehr schlecht.
    Und wir erinnerten uns, was er über Honecker sagte : Ein Mensch der so einen beschränkten Wortschatz hat, der muss auch sonst ziemlich beschränkt sein.
    ( aus meinem Gedächtnis zitiert)
    Und ich fand es, wie so vieles ,sehr treffend, was er sagte.
    Und vor ein paar Tagen, sagte mein bester Freund unter allen, das Helmut Schmidt damals während der Flutkatastrophe den Menschen zeigte, das er handeln konnte.
    Genau, zack bumm, nicht lang gefragt, welche Gesetze man eventuell bricht, sondern gehandelt.
    Genau solche Art von Entscheidung , wie sie unser Land gerade bräuchte.

    Schön geschrieben Olli.
    Und was für eine Geschichte…
    😀

  • Ja, für einen demokratischen Politiker, der ständig Kompromisse eingehen muss und dem teilweise gerade in Deutschland auch die Hände speziel gebunden sind hat er es besser gemacht als alle anderen, von denen ich weiß oder gehört habe. Er repräsentiert für mich daher am ehesten die richtige Mischung zwischen konservativ und sozial, zwischen autoritärer Führung und liberaler Gelassenheit, wie aber auch patriotische Gesinnung bei gleichzeitiger Weltoffenheit, zwischen Mann mit Manieren und Krieger. Hanseat eben. Ein Mann der Mitte wie auch aus der Mitte des deutschen Volkes. Nicht perfekt, aber eben ein Mann aus dem wahren Leben, der auch mit der deutschen Geschichte zumindest aufrecht umgegangen ist. Beinahe schon unauffällig bis auf die Momente, in denen Zurückhaltung und Unentschlossenheit ein Fehler gewesen wäre.

    Ein Mann, der deshalb schon im Leben beinahe im Frieden geruht hat. Ahoi, Kapitän.

    • Och, Jammer-Jan mit der Einzelmeinung: Immerhin gab ich Dir doch mit diesem Artikel die Möglichkeit, DEINE Profilneurose zu bedienen.
      Und das ist doch auch etwas Wert.

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